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Novina Göhlsdorf: Der Autist als "neuer Mensch" der Zukunft (FAZ.NET 04.03.2020)

Dieser Artikel aus der FAZ.NET ist der Ausgangspunkt für mein neues Buch "Bullshit", vor allem weil er viel rezipiert und in den Sozialen Medien geteilt worden ist. Meist wurden aber nur das Bild und die Überschrift wahrgenommen, weil man für den gesamten Artikel ein Abo haben muss. Diese Verkürzung ist fatal! Es entsteht ein falscher Eindruck. Aber auch in seiner ganzen Länge ist der Artikel noch streitbar. Er ist sehr dicht, an Informationen und Thesen. Ich habe einige Zeit gebraucht, ihn zusammenzufassen. Spannender als die Thesen des Artikels selbst ist die Frage, wie die Autorin zum Autismus steht und welches Autismusbild sie vertritt. Dies lässt sich nur implizit erfassen und gibt doch viel mehr Aufschluss über den gegenwärtigen Umgang mit Autismus als der Artikel an sich.

 

-> Thunberg und Co.: Der Autist als „neuer Mensch“ der Zukunft (faz.net)


Amanda Baggs: In My Language

Ich möchte heute ein Video vorstellen, das mich zutiefst beeindruckt hat. Ich bin erst jetzt darauf gestoßen, viele von euch werden es wahrscheinlich schon kennen. Es ist ein selbst gedrehtes Video von Amanda Baggs, einer nonverbalen Autistin aus den USA, die über einen Sprachcomputer kommuniziert. Seit seinem Erscheinen vor 14 Jahren ist es bereits mehr als 1,5 Millionen mal aufgerufen worden.

Das Video berührt und fordert heraus. Es fordert heraus, das gängige Bild über die in ihrer eigenen Welt eingeschlossenen Autist:innen zu revidieren. Es fordert heraus, das gängige Bild der nichts denkenden und geistig zurückgebliebenen nicht sprechenden Autist:innen zu revidieren. Baggs zeigt in ihrem Video, dass sie in ständigem Kontakt mit ihrer Umwelt ist. Sie lässt die Zuschauer:innen an ihrer unbegrenzten Öffnung ihres Selbst teilhaben. Nicht sie lebt in einer begrenzten, verschlossenen Welt. Das ist vielleicht die größte Herausforderung für nicht-autistische Menschen.

Viel besser aber sagt sie es mit ihren eigenen Worten:

„[…] my language is not about designing words or even visual symbols for people to interpret, it is about being in a constant conversation with every aspect of my environment. Reacting physically to all of my surroundings.
[…]
Ironically, the way that I move when responding to everything around me is described as ‚being in a world of my own‘, whereas if i interact with a much more limited set of responses and only react to a much more limited part of my surroundings people claim that I am opening to true interaction with the world.
[…]
They judge my existence, awarness, and personhood on which of a tiny and limited part of the world I appear to be reacting to.
[…]
It is only when I type something in your language that you refer to me as having communication.
I smell things.
I listen to things.
I feel things.
I taste things.
I look at things.
[…]
It is not enough to look and listen and taste and smell and feel, I have to do those things to the right things, such as look at books, and fail to do them to the wrong things, or else people doubt that I am a thinking being, and since their definition of thought defines their definition of personhood so ridiculously much they doubt that I am a real person as well.
I would like to honesty know how many people if you met me on the street would believe I wrote this.“

-> In My Language - YouTube


Psychologisches und psychotherapeutisches Angebot für Autist:innen mangelhaft

Passend zum gestrigen Post über Prüfkriterien für eine Autismus-Therapie, bin ich heute auf diesen lesenswerten Artikel gestoßen: Marlies Hübner ist Autorin, Aktivistin und Autistin. Mit dem BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.) sprach sie darüber, wie sie als Betroffene das derzeitige psychologische Angebot für Autist:innen einschätzt und an welchen Stellen ihrer Ansicht nach noch Verbesserungsbedarf besteht. Das Interview reiht sich ein in eine Reihe von Veröffentlichungen und Veranstaltungen zu „Heterogenität verbindet“, dem diesjährigen Leitthema des BDP.

-> Noch Luft nach oben – Autismus-Diagnostik in der Psychologie (bdp-verband.de)


Prüfkriterien für Therapieangebote für Autist:innen

Autland Nürnberg und Autismus Mittelfranken e.V. Prüfkriterien für Therapieangebote erarbeitet, die bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie wertvolle Hilfestellung geben.
Es gibt sie für Autistinnen und Autisten:
-> kriterien_aut_a5.pdf (autismus-mfr.de)
Und für Eltern und Bezugspersonen:
-> kriterien_elt_a5.pdf (autismus-mfr.de.

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