Autismus braucht Aufklärung - mein Podcast

Wie "geht" eigentlich Autismus? Anders als du denkst! Deshalb braucht Autismus Aufklärung. Aufklärung durch autistische Menschen selbst, die wissen nämlich ziemlich genau, wie Autismus geht. Wir sind Teil der Gesellschaft und gestalten sie mit. Deshalb: Redet nicht über uns, sondern mit uns! Das will dieser Podcast: Erklären, aufklären, mit Vorurteilen aufräumen, kritisch Stellung beziehen und Sie und dich einladen, "Autistisch" zu lernen. Also, reden wir über Autismus. Bei einer Tasse Kaffee...


Folge 22: Erschöpfung - ein oft übersehenes Kennzeichen autistischen Seins

Es hat jetzt drei Wochen benötigt, um diese Folge zu erstellen. Ich brauchte eine Auszeit, weil ich erschöpft war, keine Energie hatte. Mein Akku war leer.

Ich behaupte: Erschöpfung und leichte Erschöpfbarkeit sind Kernaspekte autistischen Seins. Sie tauchen nicht in den Diagnosekriterien auf. Auch in wissenschaftlichen Beschreibungen – ich habe nicht alle, aber sehr viele gelesen – sind sie kein Thema. Liest man allerdings Berichte von Autist*innen selbst, vor allem von Asperger- und hochfunktionalen Autist*innen, dann ist Erschöpfung ein zentrales Thema. Gerade bei Autistinnen, die erst später diagnostiziert werden, führt der Weg zur Diagnose nicht selten über die Erschöpfung. Eine Erschöpfung, mit der sie leben, bis es zum totalen Zusammenbruch kommt. Wenn sie Glück haben, geraten sie an einen Therapeuten/eine Therapeutin, die ihr autistisches Sein erkennt. Wenn nicht, wird die Erschöpfung mit Wegen und Mitteln behandelt, die kontraproduktiv sind und die Situation noch mehr verschlimmern.

Inhaltsverzeichnis: 00m00s Intro 01m21s Einleitung 02m47s Erschöpfung als Folge der Anpassung 11m39s Was erschöpft Autist*innen im Alltag? 23m29s die 12-Löffel-Theorie 31m19s autistische Stressoren 35m46s Entspannungstherapie 49m07s Entspannungs-Fantasiereise

Hier der Link zur Folge: 

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Literaturhinweise zu den Folgen 19 bis 21 (Schule und Autismus):

Lindmeier, Christian: "Kinder und Jugendliche aus dem Autismus-Spektrum in der Schule - Forschungsfelder und Forschungsdesiderate." In: Zeitschrift für Heilpädagogik 69 (2018) S. 396-410.

Lindmeier, Christian: "Überblick über die Zuordnung des Autismus-Spektrums (AS) zu den sonderpädagogischen Förderschwerpunkten in den 16 Bundesländern." In: Zeitschrift für Heilpädagogik 71 (2020) S. 488-502.

Meer-Walter, Stephanie: "Barrierefreies Lehren und Lernen." In: Leo M. Kohl/Stephanie Meer-Walter/Franca Peinel: Warum verstehen mich meine Lehrer nicht? Lehrerratgeber für Kinder im Autismus-Spektrum. Gera: Verlag Daniel Funk 2020, 1. Auflage, S. 48-84 (+10 Arbeitsmaterialien).

Meer-Walter, Stephanie: Schüler/innen im Autismus-Spektrum verstehen. Praxishilfe zu autistischen Besonderheiten in Schule und Unterricht. Weinheim Basel: Beltz 2021, 1. Auflage (erscheint im August 2021). 

Schwarz, Katja: Autismusbilder. Zur Geschichte der Autismusforschung. Weinheim Basel: Beltz 2020, 1. Auflage.

Theunissen, Georg/Sagrauske, Mieke: Pädagogik bei Autismus. Eine Einführung. Stuttgart: Kohlhammer 2019, 1. Auflage.


Folge 21: Autismus und Schule - zu oft noch immer mehr Schrecken als eine gute Zeit: Was muss sich ändern? (Teil 2)

Schulen sollen inklusiv werden in einer Gesellschaft, die noch gar nicht inklusiv denkt. Die Gesellschaft, das sind wir Menschen, jeder einzelne von uns. Ob wir inklusiv denken oder nicht, hängt entscheidend von unserer Haltung ab. Wollen wir eine Schule, die bestimmt, wie die einzelnen Schüler*innen zu sein haben, oder soll Schule ein Ort sein, an dem jede*r Schüler*in ihren/seinen Platz findet, sich frei entfalten kann und ihr/sein Potenzial abrufen und in Leistung transferieren kann, weil die Schule die dafür förderliche Umgebung schafft?

 Haltung ist die Bedingung und Voraussetzung für echte inklusive Schule. Wie muss diese Haltung beschaffen sein, damit daraus eine von allen gelebte Vision werden kann? Wie sieht eine autistische Pädagogik und Didaktik aus, die darauf aufbauend den anderen Bedürfnissen autistischer Schüler*innen gerecht wird? 

Diese muss Grundlage jeder Schule sein, die autistische Schüler*innen besuchen, egal, ob Regel-, Förder- oder Webschule.

Hier der Link zur Folge: 

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Folge 20: Autismus und Schule - zu oft noch immer mehr Schrecken als eine gute Zeit: Warum ist das so? (Teil 1)

In dieser Folge geht es schwerpunktmäßig um die Beantwortung der Frage, warum Schule für so viele autistische Kinder und Jugendliche eine Zeit des Schreckens ist. Es fehlt an Wissen über und Verstehen von Autismus. Dies ist ein systemisches Problem. Die einzige Empfehlung der Kultusministerkonferenz zu „autistischem Verhalten“ stammt aus 2000. Erst danach haben sich die Bundesländer in ganz unterschiedlicher Weise mit Autismus beschäftigt. 

Pädagogik/Didaktik und Autismus sind eine noch recht junge Disziplin in der Autismusforschung, die von den Wissenschaften der Medizin und Psychologie geprägt ist. Die Erziehungswissenschaften stehen noch am Anfang. Folglich fehlt eine Pädagogik/Didaktik für autistische Schüler*innen. Zudem gibt es in der Autismusforschung drei unterschiedliche, sich zum Teil widersprechende Autismusbilder, die nebeneinander existieren. Diese gilt es bei jeder Handreichung oder Empfehlung zu hinterfragen: Liegt ein defizit- oder ein kompetenzorientierter Ansatz vor? 

Einen ersten, ganz wichtigen Beitrag zur Beantwortung der Frage, was sich ändern muss, hat Georg Theunissen geleistet, indem er das Empowerment-Konzept in die Behindertenarbeit integriert und vor allem einen Perspektivwechsel auf Autismus und Autist*innen vorangetrieben hat.

Hier der Link zur Folge:

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Folge 19: Autismus und Schule - zu oft noch immer mehr Schrecken als eine gute Zeit (Einleitung)

Viele Autist*innen haben unschöne Erinnerungen an ihre Schulzeit, mitunter war es die schrecklichste Zeit ihres Lebens. Auch heute bedeutet Schule für zu viele autistische Kinder und Jugendliche vor allem eins: Leiden. Warum ist das so? Und was muss sich ändern? Darum soll es in zwei Folgen zu diesem Thema gehen. Diese Folge ist die Einleitung, die Hinführung zum Thema.

Hier der Link zur Folge: 

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Folge 18: Autistin UND Lehrerin - kann das passen? JEIN.

Diese Folge ist eine „Brücken-Folge“, sie stellt die Verbindung zwischen der letzten (Barrierefreiheit in Ausbildung und Beruf) und der nächsten Folge (Barrierefreiheit in Schule) her.

Vier Jahre nach meiner Diagnose als Asperger-Autistin und zwei Jahre nach meiner Frühpensionierung gebe ich eine Antwort auf die Frage, ob Autistin und Lehrerin zusammenpassen kann. Warum die Antwort weder ein klares „Ja“, noch ein klares „Nein“ enthält, verdeutliche ich an meinem eigenen beruflichen Werdegang als Lehrerin. Obwohl natürlich individuell, zeigt er dennoch autismusspezifische Charakteristika auf. Meine beruflichen Erfahrungen sind vergleichbar mit denen autistischer Menschen auch aus ganz anderen Bereichen.

AUFBAU der Folge:

EINLEITUNG

1. „Typisch untypisch“: Meine Berufsbiographie
1:21 – 4:08

2. Warum wollte ich ausgerechnet Lehrerin werden?
4:09 – 10:45

3. Herausforderungen: soziale Kontakte ohne Ende…!
10:46 – 16:24

4. meine Stärken: die Unterrichtsentwicklung und meine besondere Beziehung zu den Schüler*innen
16:25 – 25:53

MEIN SCHULALLTAG ALS AUTISTISCHE LEHRERIN - GANZ KONKRET UND ANSCHAULICH

5. Die reiz-volle Schule
25:54 – 39:41

6. Nach der Stunde ist vor der Stunde: ohne Vorbereitung geht gar nichts!
39:42 – 43:52

7. Routine? Gibt es in Schule nicht.
43:53 – 49:44

8. Der Druck wurde immer größer
49:45 – 1:04:02

9. Und dann ging es "plötzlich" nicht mehr…
1:04:03 – 01:18:59

FAZIT

10. Autistin und Lehrerin – kann das passen? Jein.
ab 01:19:00 

Hier geht's zur Podcastfolge:

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Folge 17: Gesicht gegen Rastertherapie zeigen - Die Rastertherapie hätte für mich den sicheren Tod bedeutet, Tod durch Suizid. Übertrieben? Nein!

Die vom Gesundheitsministerium geplante Rastertherapie hätte für mich der sichere Tod bedeutet, sie hätte mich geradewegs in den Suizid geführt. Klingt übertrieben? Nein, ist es nicht. Was die Rastertherapie bedeutet und wie sie sich auf die Situation psychisch erkrankter Menschen auswirkt, beschreibe ich in dieser Folge.

Das Entsetzen, die Empörung, Unfassbarkeit und Wut über die geplante Rastertherapie sind groß:
Ein Vorschlag des Gesundheitsministeriums sieht vor, Psychotherapien künftig nach "Schema F" durchzuführen, natürlich mit dem Ziel, Kosten zu senken und sie "effektiver" zu machen. Dies soll durch ein Raster geschehen, das festlegt, wie viele Therapiestunden zukünftig für welche Diagnose entsprechend ihrem Schwergerad genehmigt und bezahlt werden.

Das heißt konkret: Nach der Zahl X an Stunden ist Schluss, weil ja jede psychische Erkrankung gleich verläuft. Wenn die Stunden nicht reichen, dann hat halt der*die Therapeut*in schlampig gearbeitet, so einfach ist das. (Ironie off)

Menschen werden nicht gesund, nur weil sie zu gesunden Menschen durch das Gesundheitsministerium deklariert werden.

Was wirklich hilft: Mehr Therapieplätze durch mehr Kassensitze. Machen Sie Ihre Hausaufgaben, Herr Spahn!

 Unterschreibt die Petition gegen diesen "irrwitzigen" Vorschlag aus dem Gesundheitsministerium von Jens Spahn - hier der Link: http://chng.it/GJpH8Q952N

Und hier der Link zur Podcastfolge:

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Folge 16: Barrierefreiheit für Autist*innen in Ausbildung und Beruf - eine win-win-Situation für Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen

Gerade hochfunktionale und Asperger-Autist*innen sind oft sehr begabt, gut ausgebildet, haben gute Ausbildungsabschlüsse erreicht – und sind trotzdem kaum auf dem ersten Arbeitsmarkt anzutreffen. Warum ist das so?

 Es liegt nicht an ihren fachlich sehr hohen Kompetenzen, sondern an der Reizüberflutung am Arbeitsplatz, der sozialen Überforderung und mitunter auch an zu großer Unvorhersehbarkeit in den Arbeitsabläufen. Die Folge ist Erschöpfung, die in die Arbeitslosigkeit führt und oft auch in die Frühberentung. 

Dieses Dilemma lässt sich auflösen, indem die Stärken autistischer Arbeitnehmer*innen in den Fokus genommen und die genannten Herausforderungen minimiert werden. Dann entsteht eine win-win-Situation auf beiden Seiten. Dafür braucht es auf Seiten der Arbeitgeber*innen mehr Wissen über Autismus. Das liefert diese Folge.

Die Folge besteht im Hauptteil aus vier Teilen:

Einleitung: Situation autistischer Arbeitnehmer*innen, negative und positive Erfahrungen
 -> 1:21 – 15:00

Teil 1: win-win-Situation für Arbeitgeber*innen und Arbeitsnehmer*innen (Faktencheck, kostenlose Unterstützungsangebote, Darum sollten Sie Autist*innen einstellen)
 -> 15:01 – 30:43

Teil 2: Was bedeutet Autismus, v.a. mit Blick auf die Arbeitswelt? (Ein anderes neuronales „Betriebssystem“, soziale Interaktion und Kommunikation, Neues und Unbekanntes, Stressverarbeitung, sprachliche Besonderheiten, Hypersensibilität des Gehirns gegenüber Reizen)
-> 30:44 – 50:55

Teil 3: Herausforderungen und Stärken im Berufsalltag (Das autistische Anders-Sein ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung!)
-> 50:56 – 1:08:25

Teil 4: Personen-Beruf-Passung bedeutet, die Stärken in den Fokus zu rücken und die Herausforderungen zu minimieren
-> 1:08:26 – 1:40:34

Abschluss: weitere Infos im Netz und in der Literatur
-> 1:40:35

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Folge 15: Barrierefreiheit im Gesundheitssystem: Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte

Weiter geht es mit der Mini-Reihe zur gleichberechtigten Teilhabe von Autst*innen. In dieser Folge wird das Gesundheitssystem genauer betrachtet. Die Folge besteht aus vier Abschnitten, die auch unabhängig voneinander gehört werden können: Einleitung, Teil 1: Was bedeutet Autismus? (Was muss ich wissen, wenn ich im Gesundheitswesen arbeite?), Teil 2: Hilfen – Basics, Teil 3: Besonderheiten in der Psychotherapie/in psychiatrischen Kliniken/im Krankenhaus. Die drei Hauptteile sind jeweils etwa 20 Minuten lang. Ich richte mich sowohl an Mitarbeitende im Gesundheitssystem als auch an Autist*innen, um Besuche in Arztpraxen oder Krankenhausaufenthalte für beide Seiten so gut wie möglich vorbereiten und gestalten zu können. Die dazugehörigen Infografiken, die gerne weitergegeben oder als Vorlage genutzt werden dürfen, befinden sich in der Rubrik "Infografiken".

Einleitung (nach Intro)
-> 1:21 – 9:34

Teil 1: Was bedeutet Autismus? [Faktencheck, wesentliche Merkmale und daraus resultierende „Stolpersteine“ in der medizinischen Versorgung]
-> 9:35 – 28:54

Teil 2: Hilfen – Basics [Homepage, Terminvereinbarung, Wartesituation, Untersuchung, Kommunikation]
-> 28:55 – 50:02

Teil 3: Besonderheiten in der Psychotherapie, in psychiatrischen Kliniken, im Krankenhaus
-> ab 50:03 

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Folge 14: Gleichberechtigte Teilhabe von Autist*innen ermöglichen: Barrierefreiheit im öffentlichen Raum

Bei Barrierefreiheit denken wir wahrscheinlich zuerst an die Überwindung von Barrieren für Rollstuhlfahrer, also z.B. an Aufzüge, Rampen und ähnliches. Barrieren, die die Teilhabe verhindern, sind für körperliche Behinderungen leichter vorstellbar. Anders ist das bei Autismus. Autismus sieht man nicht. Wir können also nicht wissen, welche Barrieren sich für autistische Menschen ergeben, im öffentlichen Raum, in der Schule, in der Berufswelt, in der gesellschaftlichen Teilhabe.

Deshalb möchte ich mit dieser Folge eine Mini-Reihe über Barrierefreiheit für Autist*innen beginnen. In dieser Folge wird es zunächst um zentrale Punkte gehen, die für Barrierefreiheit – in welchem Raum auch immer – grundsätzlich Gültigkeit besitzen. Dieser Part müsste eigentlich jeder Folge voran gestellt werden. Weiter wird es in dieser Folge um Barrierefreiheit für Autist*innen im öffentlichen Raum gehen. Wie kann dort Teilhabe überhaupt erst ermöglicht oder verbessert werden? In den weiteren Folgen werde ich dann die Bereiche Schule, Beruf, das Gesundheitswesen oder auch den persönlichen Raum wie Wohnen auf Barrierefreiheit hin beleuchten. 

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Folge 13: "Ja, so ist das mit den Eltern und ihren autistischen Kindern: Sie sprechen verschiedene Sprachen, sie erleben die Welt grundverschieden." (Henry Markram) - Dem autistischen Kind gestatten, zu sein

Autistische Menschen erfahren oftmals schon von frühester Kindheit an, dass sie nicht verstanden werden, nicht von ihren Eltern, ihren Geschwistern oder den anderen Kindern. Sich unverstanden fühlen, ist quasi ein Grundgefühl von Autist_innen. Deshalb ist es so wichtig, dass sich autistische Kinder in ihrer Familie verstanden fühlen und sein dürfen, wie sie sind. Das ist eine fundamentale, existenzielle Erfahrung im Aufwachsen eines jeden Menschen.

Den autistischen Kindern gestatten zu sein, heißt, sie so zu akzeptieren und anzunehmen, wie sie sind. Sie nicht verändern zu wollen. Genau hinzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen. Sie dabei zu unterstützen, ihre ganz eigenen Wege zu gehen.

Autistische Kinder und ihre Eltern sprechen verschiedene Sprachen. Autistische Menschen und ihre Umwelt sprechen verschiedene Sprachen. Es fehlen die Sprachkurse, um einander verstehen zu können. Es gibt sie bis heute nicht. Dadurch, dass sich allerdings immer mehr Autist_innen zu Wort melden, wird die jeweils fremde Sprache überhaupt erst wahrgenommen. Das ist ein Anfang.

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Folge 12: Kann man zu VIEL fühlen? Die "Theorie der Intensiven Welt" sagt: Ja. Autist_innen fühlen nicht zu wenig, sondern zu viel!

„Und auf einmal ergab alles einen Sinn. Kai hatte gar kein Defizit. Er spürte nicht zu wenig, er spürte zu viel. Sein Rückzug war nicht die Störung – es war die Reaktion. […] Die Empfindsamkeit von Autisten war bekannt. Allerdings war sie nur ein Randthema, eine rührende Nebensächlichkeit […]. Es war aber keine Nebensächlichkeit, es war der Schlüssel.“ (Lorenz Wagner: Der Junge, der zu viel fühlte. Wie ein weltbekannter Hirnforscher und sein Sohn unser Bild von Autisten für immer verändern. München: Europa-Verlag, S. 124)

Zusammengefasst bedeutet die „Theorie der Intensiven Welt“, dass autistische Menschen zu viel fühlen. Ihr Mandelkern, die Amygdala, reagiert über. Dies hat eine erhöhte Emotionalität, Stress und Ängste zur Folge, die ihr Gedächtnis speichert. Durch das intensive Empfinden der Emotionen geraten Autist_innen in sozialen Kontakten leicht in einen emotionalen Overlad, weshalb sie sich sozial zurückziehen (in Klammern: müssen), da ein Shutdown oder Meltdown drohen. Stimming, Routinen, Regeln und Rituale sorgen für eine psychische Entlastung.

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Folge 11: Das mit den Menschen und so... kann ich nicht. Soziale Interaktion und Kommunikation

Das mit den Menschen und so kann ich nicht. Punkt. Damit ist alles gesagt. Fertig. Das kann ich auch noch hundert Mal üben, ich werde es nicht lernen. Ich weiß nicht, wie das mit den anderen Menschen geht.

Meine Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation beeinträchtigen mich sehr. Sie behindern mich an gesellschaftlicher Teilhabe. Und sie sind die Schwierigkeiten, unter denen ich wirklich leide, die ich gerne behoben hätte (ein unrealistischer Wunsch, ich weiß). Der Mensch ist ein soziales Wesen, das die Gemeinschaft und Gesellschaft (nicht als abstrakter Begriff gemeint) braucht. Da ich genau das nicht kann, sehe ich Autismus auch als Behinderung.

Ich versuche in dieser Folge, von einem konkreten und so erlebten Beispiel ausgehend zu ergründen, wie das mit den anderen Menschen und warum es so schwierig ist.

Das mit den Menschen und so... Soziale Interaktion und Kommunikation: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 562349311 (podcast.de)


Folge 10: Menschsein | Mensch sein - Gedanken zum UN-Welt-Autismustag-2021

Ich möchte einfach nur Mensch sein! Dieser Gedanke traf mich vergangene Tage ganz plötzlich. Mensch sein! Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit den gegenwärtigen Autismusbildern und ihre Entstehungsgeschichte befasst. Welche Bilder von Autismus gibt es? Wo kommen sie her? Finde ich mich darin wieder? Wie stehe ich zu ihnen? Dabei bin ich immer wieder auf die Aussage gestoßen, dass Autismus als eine menschliche "Existenzweise", als eine Form menschlichen Seins anzuerkennen sei. Aber: Ist das nicht selbstverständlich? Nein. Auch heute noch nicht. Was aber ist denn dann Autismus, wenn es keine menschliche Existenzweise darstellt?

Um diese Fragen geht es in dieser Podcast-Folge, die wieder eine ganze Kanne Kaffee lang ist.

Die Texte, auf die ich mich beziehe, sind:

Novina Göhlsdorf: Der Autist als "neuer Mensch" der Zukunft (FAZ.NET vom 05.03.2020)

Katja Schwarz: Autismusbilder. Zur Geschichte der Autismusforschung. Weinheim Basel: Beltz Juventa 2020. 

Menschsein | Mensch sein - Gedanken zum UN-Welt-Autismus-Tag 2021: - Autismus braucht Aufklärung - 558904927 (podcast.de)


Folge 9: Können Sie nicht einmal "Fünfe gerade sein lassen"? Ähm.... was soll ich? Sprachliche Barrieren

Für diese Folge sollten Sie sich eine Kanne Kaffee kochen, denn sie ist mit fast 51 Minuten deutlich länger. Warum das so ist, ergibt sich aus dem Thema: Es geht um sprachliche Besonderheiten autistischer Menschen, um das Verständnis und die Nutzung von Sprache. Gerade in diesem Bereich kommt es zu bedeutsamen Unterschieden, bauen sich Barrieren auf, die eine Kommunikation zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen erschweren.

Wissen Sie, was die Redewendung „Fünfe gerade sein zu lassen“ bedeutet? Ich wusste es in dem damaligen Gespräch nicht. Auch nicht, dass „Dienst nach Vorschrift“ kein Versprechen war - Dienst nach Vorschrift klang in meinen Ohren wie Musik ;-) Sprache ist enorm wichtig für alle Bereiche unseres Lebens. Ein Leben ohne Sprache – in welcher Form auch immer – ist nicht vorstellbar. Sprache besitzt eine große Macht und bestimmt, wie wir über etwas denken, was wir fühlen. Deswegen ist es fatal, wenn wir einander nicht verstehen oder Gesagtes/Geschriebenes nicht deuten können.

Können Sie nicht einmal „Fünfe gerade sein lassen“? Ähm…. was soll ich? Sprachliche Barrieren: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 555562990 (podcast.de)


Folge 8: Wenn das Murmeltier täglich grüßt... Regeln, Rituale und Routinen. Ohne sie geht nichts!

Und täglich grüßt das Murmeltier... was für die einen eine fürchterliche Vorstellung ist, ist für Autist:innen eine Lebensnotwendigkeit. Alltagstrott - kein Horror, sondern Sicherheit.

Autist:innen empfinden die Welt und ihre Umgebung überwiegend als sehr chaotisch. Veränderungen, zumal unerwartet und unplanbar, stressen zusätzlich, verunsichern und können zu Handlungsunfähigkeit führen. Dagegen helfen Regeln, Rituale und Routinen. Sie sind ebenso lebensnotwendig wie Essen, Trinken und Schlaf, denn sie geben Sicherheit, Vertrautheit und Vorhersehbarkeit. Wie also umgehen mit dem "Überlebenstrieb" nach Beständigkeit? Wenn sich auch nicht alles planen lässt, so ist Vieles dennoch durch Plan A, B, C usw. gut planbar und damit vorhersehbar.

Wenn das Murmeltier täglich grüßt... Regeln, Rituale und Routinen: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 552196822 (podcast.de)


Folge 7: "Autistinnen - wann dürfen sie?" Gedanken einer autistischen Frau zum Weltfrauentag 2021

Autistinnen sind unsichtbar / Sozial angepasst - bloß nicht rar / Maskiert und versteckt - und doch so wahr / Verleugnen sich selbst - stets gewillt / Entsprechen sie dem Frauen-Bild / Sind sanft, schüchtern, fügsam und mild / Autistinnen - wann dürfen sie / Sein, mit anderer Melodie / Leben mit sich in Harmonie?

Autistische Frauen werden nach wie vor erst später oder sogar sehr spät diagnostiziert. Aufgrund ihrer höheren sozialen Anpassungsfähigkeit fallen sie noch zu oft durch's Diagnoseraster. Das Brechen der ungeschriebenen gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen (brav, unauffällig im Verhalten, zurückhaltend, schüchtern, fleißig, empathisch etc.) wird autistischen Frauen nicht verziehen. So lastet ein hoher Druck auf ihnen, der nicht selten in psychische Erkrankungen mündet. ABER: Es gibt immer mehr autistische Frauen, die ihre Stimme erheben und dazu beitragen, dass sich Autistinnen aus diesem Drama befreien können, die rufen: Autistinnen - vergesst das nie / Seid, mit anderer Melodie / Lebt stolz mit euch in Harmonie!

Autistinnen - wann dürfen sie? Gedanken einer autistischen Frau zum Weltfrauentag 2021: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 547845443 (podcast.de)


Folge 6: Ballspiele - kann ich und liebe ich! Und das, obwohl ich Autistin bin ;-)

Die motorischen Auffälligkeiten zählen nicht zu den offiziellen Diagnosekriterien, spielen aber für fast alle Autist:innen eine Rolle. Sie zu verstehen - es geht nicht nur um einen ungelenken Gang oder darum, einen Ball nicht fangen zu können (!) - ist wichtig, weil dadurch manche falsche Zuschreibungen wie Unwille, Faulheit oder Phlegmatismus revidiert werden müssen. Zu den motorischen Auffälligkeiten gehören ebenso Handlungsstörungen und Stimming, das eine ganz wichtige Bewältigungsstrategie darstellt.

Für viele autistische Menschen bedeuten die motorischen Auffälligkeiten eine Beeinträchtigung ihrer Handlungskompetenz, so dass sie eher von Behinderung oder Störung sprechen, während einige Autist:innen nicht so stark betroffen sind und überhaupt nicht auffallen, weshalb sie lieber von motorischen Besonderheiten sprechen.

Ballspiele - kann ich und liebe ich! Und das, obwohl ich Autistin bin ;-): MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 544904760 (podcast.de)

  

Folge 5: "extrem wahrnehmungs-begabt": atypisches Denken und Lernverhalten

Zuerst die Details wahrzunehmen und diese dann zu einem Ganzen zusammenzusetzen, bezeichnet die bekannte Autistin Temple Grandin als "extreme Wahrnehmungs-Begabung". Üblicherweise erfolgt die Wahrnehmung anders herum, vom Ganzen zu den Details. Die Detailorientierung autistischer Menschen ist bedingt durch ihre andere Denkstruktur. Diese beeinflusst wesentlich das autistische Denken und Lernverhalten. In welcher Form, hören Sie in dieser Folge.

Die autistische Denkstruktur ist anders, das heißt aber nicht, dass sie besser oder schlechter ist. Sie ist nur anders. Und sie ist unsichtbar. Wenn wir nicht um sie wissen, wird das Verstehen von nicht-autistischen und autistischen Menschen schwierig.

"extrem wahrnehmungs-begabt": Atypisches Denken und Lernverhalten: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 541994117 (podcast.de)


Folge 4: Der "soziale Wert" von Autist:innen

Heute eine etwas andere Folge, außerhalb der Reihe über die autistischen Merkmale.

Die Folge ist anders und besonders, weil ich frei rede. Ich habe sie nicht vorgeschrieben und mir auch keine Notizen gemacht. Das Thema des "sozialen Wertes" von Autist:innen beschäftigt mich sehr. Das hängt mit meiner Frühpensionierung zusammen und der Suche nach meinem Platz in der Gesellschaft. Es wird gegenwärtig ein sehr sozialromantisches Bild DES Autisten gezeichnet, das mit der Realität wenig gemeinsam hat. Das frustriert mich, macht mich wütend und zermürbt mich. Denn mal ganz ehrlich: Welcher Platz wird uns Autist:innen denn zugewiesen? Können wir das tatsächlich beeinflussen?

Diese Folge ist also mehr Frustabbau und -bewältigung. Aber sie trifft den Kern, den Kern meiner autistischen Existenz!

Der "soziale Wert" von Autist:innen: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 539616866 (podcast.de)


Folge 3: Alles kann spannend und gleichzeitig beruhigend sein: Spezialinteressen

Nein, Sie können nicht autistisch sein. Sie können doch gar nicht das Telefonbuch auswendig aufsagen! Vorsicht: Klischee-Falle! Wie ist das mit den abstrusen Interessen und herausragenden Sonderbegabungen bei Autist:innen? Warum verfolgen wir unsere Spezialinteressen so leidenschaftlich und audauernd, so intensiv, dass sie einen existenziellen Teil unseres Lebens ausmachen – neben Nahrung und Schlaf? Und: Können wir sie beruflich nutzen? Sie bilden wichtige Fähigkeiten und Stärken heraus, die wir und der Gesellschaft nutzen können. Hört einfach mal rein…

Alles kann spannend und gleichzeitig beruhigend sein: Spezialinteressen: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 534991452 (podcast.de)


Folge 2: Ein Leben im Reizgewitter

Ein Leben im Reizgewitter. So fühlt es sich an. Das liegt an der besonderen Wahrnehmung der sensorischen Reize. Sie führt dazu, dass Autist_innen die Welt meist greller, schriller, bunter, lauter, hektischer erleben. Viele autistische Menschen nehmen vor allem auditive und visuelle Reize besonders intensiv wahr. Wie fühlt sich das an? Das möchte ich mit Ihnen in einem Experiment herausfinden. ACHTUNG: TRIGGERGEFAHR! Von Minute 7:58 bis 8:14 gibt es ein 16 Sekunden langes und sehr lautes Geräusche-Reizgewitter. Was hilft, dieses Reizgewitter auszuhalten und mit ihm umzugehen? Ich berichte von meinen Tricks und Kniffen.
          Die andere sensorische Wahrnehmung lässt sich aber nicht komplett kompensieren und greift tief in das Leben autistischer Menschen ein. Sie bestimmt große Teile ihres Alltags. Sozialer Rückzug und Verzicht auf gesellschaftliche Teilhabe sind unter anderem eine Folge.

Ein Leben im Reizgewitter: MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 533795433 (podcast.de)


Folge 1: Sind wir nicht alle "so ein bisschen autistisch"?

"Also, ich habe meinen Schreibtisch ja auch ganz gerne aufgeräumt. So ein bisschen autistisch sind wir doch alle", sagte eine Kollegin. Ja, ne, geht klar. Hallo??? Nein! Wir sind nicht alle "so ein bisschen autistisch". So ein bisschen gibt es nicht. Es ist auch nicht schick oder hipp. Ein aufgeräumter Schreibtisch ist kein Symptom für Autismus. Darum geht es in dieser Folge: Um die autistischen Kernsymptome und den Spektrum-Ansatz.

Sind wir nicht alle "so ein bisschen autistisch?": MP3 online hören - Autismus braucht Aufklärung - Audio 533425389 (podcast.de)

 
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